Showroom für beschichtete Oberflächen (Quelle: Kunststoff-Institut Lüdenscheid)

Wassertransfer

Wassertransfer bezeichnet eine Kombination aus Lackieren und Folienverfahren, bei der eine bedruckte, wasserlösliche Folie Farbpigmente auf ein in ein Wasserbad getauchtes Bauteil überträgt.

Verfahrensschritte

Eine spezielle, bedruckte Folie wird auf die Wasseroberfläche eines Wasserbads gelegt. Die Folie löst sich im Wasser langsam auf, wobei die Farbpigmente ähnlich einem Ölfilm auf der Wasseroberfläche schwimmen. Auf die Farbpigmente wird ein Aktivator appliziert, der ein späteres Haften auf den zu beschichtenden Teilen bewirkt. Die Teile werden von oben in das Bad getaucht, wobei sich die Farbpigmente auf die gesamte Oberfläche der Teile legen. Die Reste der Trägerfolie werden nach der Entnahme aus dem Bad mit Wasser von den Teilen abgesprüht. Anschließend werden die Teile getrocknet und zum Schluss mit einem Klarlack versehen, um die bedruckte Oberfläche zu schützen.

Besonderheiten

Da die aufgebrachten Schichten nicht deckend sind, muss das Formteil vor der Behandlung die gewünschte Grundfarbe des Dekors besitzen. Die Grundfarbe ist durch eine Lackierung, die gleichzeitig auch Haftprimerschicht sein kann, oder durch Einfärbung des Kunststoffes in der Masse einzustellen. Die Teilegeometrie kann die Anwendbarkeit des Verfahrens auch begrenzen, wenn größere Sacklöcher oder innenliegende Kanten vorliegen, da dies zum Abreißen des Films und/oder zur Bildung von Luftblasen beim Tauchen führen kann. Stark gekrümmte, dreidimensionale Außenkonturen stellen kein Problem dar. Eine Positionierung des Musters auf dem Formteil ist nicht möglich; d.h. die Anwendbarkeit des Verfahrens ist nur für Endlosdekore und Einzelbildapplikationen, bei denen keine Positionstreue erforderlich ist, geeignet. Da sich der Film im Wasser dehnt und das Dekor am Formteil Verstreckungen unterliegt, sollten die Muster auf die Formteilgröße abgestimmt sein. Das Verfahren kann als eines der teuersten Dekorverfahren bezeichnet werden. Es stellt keine Alternative zur Lackierung, sondern einen zusätzlichen Arbeitsschritt bei einer Lackierung dar.

Anwendungsfelder

Die größten Einsatzgebiete sind das Dekorieren der Innenausstattung im Flugzeug- und Automobil-Innenbereich, zum Beispiel im Carbonlook oder Wurzelholzdesign. Weitere Anwendungsgebiete sind Telefone, Fernseher, Taschenrechner, elektrische Hausgeräte, Geschenkartikel und Möbel.