Showroom für beschichtete Oberflächen (Quelle: Kunststoff-Institut Lüdenscheid)

Folien Hinterspritzen / IMD

Beim diesem Verfahren wird eine dekorierte und optional verformte Folie in das Werkzeug eingelegt, die hinterspritzt wird und auf dem Formteil verbleibt. Dabei existieren die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten bzw. unterschiedliche Reihenfolgen der Verfahrensschritte Verformen, Beschneiden und Hinterspritzen sowie unterschiedliche Arten zur Herstellung der dekorierten Folie.

Verfahrensschritte

Das Standardverfahren gliedert sich in die Verfahrensschritte:

  • Bedrucken der Folie in einem oder mehreren Siebdruckschritten
  • Verformen der Folie durch Thermoformen, Hydroforming, mechanische Verformung oder Hochdruckverformung (HPF).
  • Beschneiden der Folie durch manuelles Beschneiden, Bandstahlschnitt, Vollschnittwerkzeug, Wasserstrahl- oder Laserschneiden.
  • Einlegen der Folie ins Werkzeug, sodass die Folie auf der Sichtseite des Bauteils mit der Farbschicht zum Substrat liegt.
  • Hinterspritzen des Bauteils; es verbindet sich die Folie bzw. die Druckfarbe mit dem Substrat.
  • Entnahme des Bauteils

Besonderheiten

Ein häufiger Problempunkt beim Hinterspritzen ist die Bildung von sogenannten „Wash-Outs“. Unter dem Begriff „Wash-Out“ versteht man Farbauswaschung auf der Dekorschicht. Die Vermeidung dieses Effektes ist eine Hauptanforderung beim Hinterspritzen von Folien. Nur so ist eine qualitativ hochwertige Dekoration von Bauteilen realisier- und akzeptierbar. Ein Wash-Out-Effekt tritt durch hohe Temperatureinwirkung bei gleichzeitiger Scherbelastung durch die einströmende Schmelze im Bereich des Schmelzeeintritts in die Kavität auf. Auf Grund der hohen Schereinwirkung auf der Rückseite der Dekorfolie, wird die erweichte Farbschicht regelrecht „weggespült“. Damit verbunden ist eine mangelhafte Farbintensität bis hin zur vollständigen Auflösung der Farbschicht in partiellen oder großflächigen Bereichen der dekorierten Sichtfläche. In Extremfällen kann dieser Effekt so stark auftreten, dass die gesamte Folie in diesem Bereich geschmolzen und durchstoßen wird.

Die im Vorfeld nicht exakt berechenbare Längenänderung der Folie durch den Hinterspritzprozess stellt den Anwender vor eine weitere Herausforderung. Große Folienlängenänderungen können zu Dekorverzerrungen führen, die insbesondere bei der positionsgenauen Dekoration mit filigranen Schriftzügen zu Problemen führen können. Eine Bindenaht entsteht beim Zusammentreffen zweier Masseströme, z. B. beim Umfliesen von Formkernen oder bei der Verwendung von mehreren Anschnittpunkten. Beim Folienhinterspritzen haben sichtbare Bindenähte teilweise keine Bedeutung, da die entstehende Markierung auf der Oberfläche durch die Folie verdeckt wird. Probleme bereiten Bindenähte erst dann, wenn relativ dünnes und flexibles Folienmaterial verwendet wird und dieses beim Zusammenströmen der Schmelzefronten eine Falte wirft. Neben den beim Standardspritzgießen bekannten Schwindungseffekten, sind für das Folienhinterspritzen weitere bzw. sich überlagernde Schwindungseffekte zu berücksichtigen.

Anwendungsfelder

Interessant und sinnvoll wird der Einsatz der Folientechnik immer dann, wenn mehrere Farben aufgebracht werden müssen, Tag- / Nachtdesigns realisiert werden sollen, spezielle Dekore aufgebracht werden sollen (z.B. Wurzelholz) oder ein häufiger Dekorwechsel gefordert ist

Das Folienhinterspritzen findet z.B. Anwendung für Verpackungen, Ix-Karten, Kosmetikartikel, beleuchtbare Konsolenelemente oder Heizungs-/Lüftungsblenden in der Automobilbranche, Telefonschalen, etc.